HR & KI Gefahren beseitigt sind. Dabei ist zu differen- zieren: Gesunde Skepsis und konstruktive Kritik sind durchaus nützlich, weil sie uns dazu brin- gen, gründlicher nachzudenken und bessere Ar- gumente oder Verfahren zu entwickeln. Hüten müssen wir uns vor den Boykottierern, die stets auf der Bremse stehen und aus Eigeninteresse für die Konservierung der Vergangenheit kämpfen. Die müssen gehen. Kategorische Zukunftsverwei- gerer kann sich kein einziges Unternehmen noch länger leisten. Narrative Brücken in die Zukunft Die Möglichkeit, an Transformationsprozessen aktiv mitzuwirken, ist viel attraktiver als ein fer- tiges Konzept, das einem zur Abarbeitung aufge- drückt wird. Wir wollen nicht verändert werden, wir wollen verändern. Mitarbeit fördert das Ver- trauen in den Wandel und reduziert das Gefühl der Machtlosigkeit. Jeder kreative Austausch, mit- entwickelte Perspektiven und ein erlebtes Wir- Gefühl triggern das zerebrale Belohnungssystem. Und: Was wir selbst erschaffen haben, dafür ste- hen wir ein. Wir verbinden uns mit der gefunde- nen Lösung und kommen sogar mit Einschnitten besser zurecht. Ich nenne das den „Mein-Baby- Effekt“. Und sein Baby lässt man gewiss nicht im Stich. Was wir, damit Transformationsprojekte gelin- gen, zudem brauchen, sind Zukunftsbilder und Zukunftsgeschichten. Sie vermitteln, wohin die Reise geht, was wir uns von der Zukunft erhoffen und weshalb es gut ist, sich auf den Weg in die- se Zukunft zu machen. Imaginatives Storytelling öffnet die Türen dorthin. Fantasievoll nimmt es uns mit in eine Zeit, die noch nicht ist, aber bald sein kann. Beispielhafte Bilder aus anderen Wel- ten sorgen für die notwendige Distanz, um Mög- lichkeiten zu erkennen, die außerhalb der eigenen Denkfelder liegen. Mithilfe plakativer Bilder und Geschichten kann es gelingen, sich der eigenen Zukunft gefahrlos und kreativ anzunähern. Im Geschichtenerfinden ist generative KI ziemlich gut. Also hab ich sie gefragt, ob sie eine einzig- artige Erzählung ersinnen kann, eine, die jenseits aller Klischees noch niemand je benutzt hat. „Ab- solut – das ist eine großartige Herausforderung“, schreibt sie mir gewohnt enthusiastisch zurück. „Du willst eine einzigartige Geschichte, die in kei- ner Präsentation, in keinem TED-Talk und in kei- nem Change-Seminar bisher vorkam. Also kein „Schiff“, keine „Reise“, kein „Wald“, keine „Bergbe- steigung“, sondern etwas komplett Eigenständi- ges, das trotzdem stark, nachvollziehbar und in- spirierend ist.“ Ja! KI als Helfer in der Transformation Hier ist sie, die exklusive Originalgeschichte: „Stellt euch eine Stadt vor, die aus Gedanken ge- baut ist. Keine Straßen aus Beton, sondern Wege aus Ideen. Häuser aus Gewohnheiten. Brücken aus Vertrauen. Alles, was diese Stadt ist, wurde einmal von den Menschen, die in ihr leben, ge- dacht, entschieden und gestaltet. Die Stadt war über Jahre gewachsen. Viertel hatten sich entwi- ckelt, in denen alles reibungslos funktionierte. Ri- tuale gaben Sicherheit. Die Menschen wussten, wann der Tag beginnt, wie man sich grüßt, wie die Dinge laufen. Doch ei- nes Tages begann sich etwas zu verändern. Nicht plötzlich – sondern leise. Türen, die man immer benutzen konnte, klemmten. Der Marktplatz war nicht mehr so lebendig. Neue Ideen, die früher wie von selbst auf die Dächer flogen, schienen zu Boden zu fallen, noch bevor sie richtig abheben konnten. Da geschah etwas Unerwartetes: Die Stadt be- gann zu hören. Nicht mit Ohren – sondern mit Aufmerksamkeit. Sie nahm wahr, dass ihre Be- wohner anfingen, anders zu denken. Dass sie sich fragten: „Warum gehen wir immer diesen einen Weg? Warum bauen wir keine neuen?“ Und dann – tat die Stadt etwas, das noch nie geschehen war: Sie erlaubte es, dass man sie umschrieb. Wie ein lebendiger Text, der sich selbst aktualisiert. Einige begannen, alte Mauern mit neuer Sprache zu bemalen. Andere gruben Ideen aus, die lange unter der Oberfläche geschlummert hatten. Wieder andere entwarfen Plätze, auf denen man sich neu begegnen konnte – nicht nach alten Rol- len, sondern mit echter Neugier. Die Stadt war nicht mehr dieselbe – und doch war sie ganz sie selbst. Denn alles, was entstand, war nicht von 52 HR Performance 1/2026